In 18 Sekunden alles verspielt
HSG Bieberau/Modau bringt Vorsprung nicht über die Zeit / Ahrensmeier fällt mit Bänderriss im Knöchel aus

Von Bernd Kalkhof/ Darmstädter Echo

GROSS-BIEBERAU.

18 Sekunden waren am Freitagabend noch zu spielen. In den letzten zehn Minuten hatte die HSG Bieberau/Modau einen 26:22-Vorsprung verspielt, es stand 29:29. Noch 18 Sekunden, Ballbesitz und die große Chance, in Überzahl den Sieg einzutüten. Thorsten Schmid wollte mit einer Auszeit auf Nummer Sicher gehen und gab die taktische Marschroute vor. Doch weit gefehlt, seine Schützlinge brachten das Kunststück fertig, den Ball zu vertändeln. Großsachsens eingewechselter Torhüter Henrik Richter passte auf den besten Germania-Spieler des Abends, Philipp Ulrich. Der traf mit dem Schlusspfiff zum 29:30 und sorgte für große Tristesse bei den heimischen Fans unter den 620 Zuschauern. Das Spiel hatte schon schlecht begonnen, denn Jonas Ahrensmeier fiel nach 38 Sekunden aus. Der Rückraum- und Abwehrrecke zog sich einen Bänderriss im Knöchel zu und fällt einige Wochen aus.

Er war mit der Schlusssekunde den Siegtreffer für seine Mannschaft: Philipp Ulrich

„Wir haben das Spiel nicht in den letzten, sondern in den gesamten 60 Minuten verloren“, bilanzierte HSG-Trainer Thorsten Schmid und warf seiner Mannschaft vor: „Wir hatten keinen Zugriff in der Abwehr und keine Einstellung.“

Die Gäste von der Bergstraße waren als klarer Außenseiter angereist, hatten sich über die gesamte Spieldauer aber hochmotiviert und leidenschaftlich präsentiert, trotz einiger spielerischer Mängel. „Endlich hatten wir auch mal das Glück auf unserer Seite“, sagte Gästetrainer Stefan Pohl und erinnerte an das unglückliche Unentschieden im Derby gegen Leutershausen, als man mit dem Schlusspfiff einen Freistoßtreffer kassierte.

Im Lager der Falken war die Ernüchterung gewaltig. Ausgerechnet an seinem 28. Geburtstag musste Till Buschmann die ganz bittere Pille der Heimniederlage schlucken. „Wir müssen mit der Situation besser umgehen und noch zehn Sekunden mit dem Abschluss warten, das war wirklich bitter“, sagte der Kapitän.

Lange hatten sich die Odenwälder auf ihren vorzüglichen Torhüter Martin Juzbasic verlassen können. Seine Paraden sorgten bereits vor der Pause für eine etwas schmeichelhafte Führung. Als in der Schlussphase Simon Brandt starke Eins-Eins-Aktionen lieferte und der zweite Torwart Saad Khan zwei Siebenmeter entschärfen konnte, sah alles nach einem Heimsieg aus.

Doch wie schon gegen den TV Gelnhausen brachten die Südhessen den Erfolg nicht über die Zeit. Zwar hätte es in der vorletzten Aktion zur Zeitstrafe durchaus noch einen Siebenmeter geben können, aber die oft unsicheren Schiedsrichter entschieden auf Freiwurf. Dann folgte der Ballverlust.

Auch wenn die Falken nach der völlig unnötigen Niederlage noch immer Tabellenfünfter sind, von einer Spitzenmannschaft ist das Team noch weit entfernt. Es braucht einfach Zeit, so viele neue Spieler zu integrieren. In hektischen, druckvollen Momenten fehlt es noch an der nötigen Abgeklärtheit.

HSG: Khan, Juzbasic; Büttner 9/4, Bettin 7, Dambach 1, Buschmann (4), Rivic (1), Kevic (4/2), Lebherz, Marquardt, Ahrensmeier, Brandt (3), Eisenhuth. Haupttorschützen Germania: Triebskorn 7/3, Ulrich 6, Hildenbrandt 5, Zeitstrafen: 6/3, Siebenmeter: 7/6 und 8/5, Zuschauer: 620.